Bestleistung im Team
Von Karl Heinz A.
Lorenz
Arbeitsgruppen gewinnen für den unternehmerischen Erfolg immer mehr an
Bedeutung. 'Teamwork' hat einen festen Platz im Kulturbegriff moderner
Unternehmen eingenommen oder wird doch sehr häufig als Leitlinie bei
sogenannten Unternehmensleitlinien verankert. Doch was versprechen sich
Planer und Strategen von dieser besonderen Arbeitsform und wie läßt sich
eine Gruppe überhaupt zu einem gut funktionierenden Team formen?
Wir sind ein Team!
Dieser Schlachtruf
hallt heute laut durch zahlreiche Unternehmen. Längst hat sich nämlich
herumgesprochen, daß horizontale Organisationsstrukturen häufig zu
höherwertigen Arbeitsergebnissen führen, als hierarchisch-vertikale.
Teamorientiert zu sein, gilt also nicht nur als "trendy", damit wäre es
eine vorübergehende Modeerscheinung, sondern ist für entscheidende
Aufgaben in Unternehmen zur unbedingten charakterlichen Voraussetzung
geworden. Viele Annoncen mit dem Zweck der Personalsuche, die ja
gewissermaßen ein vorweggenommenes Abbild der künftigen Zusammensetzung
des Personalbestands der zugehörigen Unternehmen darstellen, künden eine
beredte Botschaft davon.
Höchste Leistung und soziales
Wohlbefinden
Die Menschen, die
diesem hohen Anspruch gerecht werden sollen, benötigen zur Entfaltung
ihrer vollen Arbeitskraft Freiräume und gleichzeitig individuelle
Beachtung und Förderung; Kommunikative Prozesse, die einen offenen,
intensiven Austausch mit anderen gestatten und allen Beteiligten
Orientierungs- und Anspornimpulse geben.
Erfolgreiches
Teamwork und eben die offene, humane Kommunikationskultur erschließen
ein riesiges Potential an Kreativität, Motivation und
Verantwortungsbewußtsein. Mitarbeiter werden dadurch in die Lage
versetzt, weit Überdurchschnittliches mit anderen gemeinsam im Team und
im Einzelnen für ihr Team zu erbringen.
Höchstleistungen, die
Menschen und Unternehmen ihren Zielen und Herausforderungen entscheidend
näherbringen. Höchstleistungen, die, um am globalen Markt zu bestehen,
dringend gebraucht werden.
Die Hürden, um von
vertikalen zu horizontalen Unternehmensstrukturen zu kommen, sind
vielschichtig. So ist eine Anzahl von Menschen, die sich zufällig oder
gewollt in einer Gruppe wieder finden, nicht automatisch ein Team.
Ein ideales Team
funktioniert in etwa wie die Mannschaft eines guten Schiffes: Jede
notwendige Funktion, vom Kapitän über den Maschinisten bis hin zum
Leichtmatrosen ist besetzt, jeder akzeptiert den anderen und strebt
dennoch danach, sich zu bewähren und zu verbessern, die übernommenen
Aufgaben können selbst bei Wind und Sturm gelöst und die anvisierten
Ziele erreicht werden.
Wie sich eine Gruppe zum Team entwickelt
Dave
Francis und Don Young haben mit ihrer Teamuhr die vier wesentlichen
Phasen der Teamentwicklung übersichtlich dargestellt:
Die erste Phase (forming)
ist geprägt von einem meist höflichen und etwas unpersönlichen Umgang.
Die einzelnen Gruppenmitglieder sind gespannt auf das, was kommen mag
und wie die anderen (und sie selbst) sich präsentieren. Die eigenen
Interessen, die eigene Meinung wird noch sehr vorsichtig geäußert und
eingebracht.
Dieses Kennenlernen
und Abtasten mündet schließlich in eine zweite Phase (storming)
der Auseinandersetzung mit- und gegeneinander. Konfrontation auf der
persönlichen Ebene, oft unsachliche Diskussionen führen zur
Koalitionssuche und Cliquenbildung. Der Teamprozess scheint dabei nur
mühsam vorwärts zu schreiten und bei dem einen oder anderen können sich
sogar Gefühle der Ausweglosigkeit einstellen. Der Kampf um Platz und
Rechte nimmt den größten Anteil der zur Verfügung stehenden Energie in
Anspruch und die eigentlichen (Sach-) Ziele geraten etwas in den
Hintergrund.
Gruppen, die diese
Phase erfolgreich überstehen, erleben eine dritte Phase (norming)
der positiven Abstimmung untereinander, der Regelentwicklung und einer
stark nach vorne, auf die erstrebte Zusammenarbeit gerichtete
Ausrichtung des Teams. Von allen ersehnte, bessere Umgangsformen werden
entwickelt, neue, auf das Team und seine Aufgaben spezifizierte
Verhaltensweisen entstehen, konstruktives Feedback sorgt für eine
hochwertige Zusammenarbeit und ermöglicht eine Konfrontation von
Standpunkten, anstelle von Personen.
Als Ergebnis und Lohn
stellt sich recht bald die vierte Phase (performing) ein. Die
Gruppe ist schließlich zum Team geworden. Die 'Integration' löst als
bestimmender Faktor und Leitmotiv die 'Konfrontation' ab. Ideen werden
offen in die gemeinsame Arbeit eingebracht und finden einen
solidarischen und hilfsbereiten Boden, auf dem aus ihnen Leistung und
Freude an der gemeinsamen Arbeit erwachsen.
Den Ball am laufen halten
Was läßt sich nun
tun, um ein gut funktionierendes Team zu erhalten? Und was ist zu
erwarten, wenn neue Mitglieder in ein Team aufgenommen werden sollen?
Sich in einem Team zu
bewegen und produktiv zu werden ist anders, als an einem
Einzelarbeitsplatz ohne direkte Verbindung zu anderen seine Aufgaben zu
erledigen. Der Teammitarbeiter ist nicht nur dem Vorgesetzten und sich
selbst, sondern auch den anderen Teammitgliedern verantwortlich.
Darüber hinaus bedarf
es anderer Führungsmittel Teams in diesem Sinne zu bilden und zu leiten.
Die Erfolgsfaktoren für Manager, eine erfolgreiche Teamführung
auszuüben, sind eine ausgeprägte soziale Kompetenz, eine präsente
Vorbildfunktion und gleichzeitig ein gutes Maß an Konfliktfähigkeit.
Dazu sollten sich das Gespür und auch das Wissen um gruppendynamische
Prozesse und ihre Auswirkungen gesellen.
Wie bei einer
eingespielten Sportmannschaft benötigt (gerade!) ein gutes Team immer
wieder neue Herausforderungen, damit die Leistungsfähigkeit erhalten
bleibt, oder sogar steigt. Geht der Blick für anspruchsvolle Ziele
verloren, oder stellt sich zuviel Routine ein, dann kann der
spannungserzeugende Anreiz vermisst werden und die Teamleistung sinken.
Wer also ein leistungsbereites Team geschaffen hat bzw. führt, muß diese
Bereitschaft auch immer wieder mit interessanten Aufgaben befriedigen.
Frischer Wind kann
beispielsweise auch die Integration neuer Spieler ins Team bringen.
Mindestens für diese, jedoch im direkten Zusammenhang damit auch für
alle, dreht sich die Teamuhr erneut von vorne. Je profilierter und
individueller diese neue Person sich daran macht, einen Platz im Team zu
erobern, desto intensiver, manchmal auch konfliktbeladener läuft diese
ab. Zeichnet sich das bereits bestehende Team durch eine besonders
offene und kommunikative Teamkultur aus, so wird die erfolgreiche
Aufnahme neuer Personen, umso leichter erfolgen. Das Team kann sich
rasch wieder neu formen und den gemeinsamen Aufgaben und Zielen
nachkommen.
Regelmäßige und
inhaltlich gute Kommunikationsarbeit ist für alle im Team eine
Angelegenheit, die als grundsätzliche Teilaufgabe von allen als wichtig
und notwendig empfunden und ausgeübt werden sollte. Dazu gehört die
entsprechende formale Besprechungsplanung genauso, wie Zeit und Raum für
informelle Begegnung und Austausch untereinander. Teamtrainings, in
deren Mittelpunkt keine technisch-sachlichen, sondern eher
gruppenbezogene Aspekte der Weiterbildung stehen, empfehlen sich als
ausgesprochen förderlich zur Teambildung. Diese können in jeder Phase
der Entwicklung zur Vertiefung angewandt werden, sowie zähe Prozesse
wieder leichtgängiger machen und voranbringen. In bestehenden Teams
dienen gemeinsame Trainings mindestens 'der allgemeinen Pflege', aber
natürlich auch der Aufdeckung unterschwelliger Konflikte, die jederzeit
entstehen und oft (zu) lange unerkannt bleiben können.
Ausblick und Grenzen
Teamarbeit ist eine
hervorragende Leistungsquelle für zahlreiche Aufgaben und in nahezu
allen Branchen und Unternehmensbereichen zu finden. Selbst klassische
Produktionsstätten mit Fließbandarbeit (z.B. Opel) nehmen diese
Arbeitsform auf und erzielen damit durchweg bessere Arbeitsergebnisse.
Für andere Tätigkeitsfelder, wie sie sich beispielsweise im Marketing
oder bei umfangreichen Projekten wieder finden, ist Teamarbeit fast
obligatorisch geworden, um hochwertige Leistungen zu garantieren.
Es gibt jedoch
dedizierte Aufgaben, in denen zwar die Fähigkeit zur Teamarbeit gefragt
ist, jedoch eine grundsätzliche, dauerhafte Teamorientierung sogar
hinderlich sein kann. Stellen wir uns einmal einen Mitarbeiter im
Außendienst vor, vielleicht im Vertrieb oder im Service. Dieser ist
meist ohne weitere Begleitung unterwegs, also gewohnt, alleine tätig zu
sein und alleine seine Entscheidung vor Ort zu treffen. Teamfähigkeit
reicht aus, um bei Besuchen in der Zentrale oder Niederlassung,
Informationen auszutauschen und Arbeitsziele wie
-ergebnisse mit den
entsprechenden Kollegen abzustimmen. Zu hohe Teamorientierung führt hier
dazu, daß der (allein) im Außendienst Arbeitende sich durch einen
beständigen Mangel an direkten Teamkontakten eher unglücklich fühlt und
diesen Mangel häufig mit einem hohen Maß an Kommunikation (z.B. per
Handy mit dem Vorgesetzten, Kollegen im Innendienst oder sogar überhaupt
nicht funktional verbundenen, aber als "Freund" empfundenen Personen)
kompensiert.
So ist Teamarbeit
heute für viele, jedoch eben nicht für alle Aufgaben und Personen eine
gute, zeitgemäße Arbeitsform geworden. Wer zu anderen ganz gerne 'auf
Distanz geht', findet ebenso interessante wie zahlreiche Aufgaben in der
Wirtschaft, bei denen ein gewisses Maß an Teamfähigkeit völlig
ausreicht, jedoch Platz für ausgeprägte Individualität läßt. Für
Menschen mit ein wenig mehr Nähebedürfnis und daher grundsätzlicher
Teamorientierung dagegen schafft die Arbeit in der Gruppe eine ganz
hervorragende Basis innere Leistungspotenziale zu erschließen und auf
dem Weg zu gemeinsamen Zielen Wertvolles beitragen zu können.
Zum
Autor:
Karl Heinz
Lorenz (47),
Diplom Betriebswirt (BA), Managementtrainer und Coach ist Inhaber von
LORENZ-SEMINARE Personality-&Competence-Training, Weidenthal/Pfalz.
Kontakt und
weitere Informationen unter:
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